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Beitrag BRANDSchutz - Deutsche Feuerwehr-Zeitung 06/07 PDF Drucken E-Mail
Sontag, 22. Juni 2008 22:51




Besondere Aktion zur Nachwuchsgewinnung: "Freizeit-Schutz-Engel gesucht!"
Stefan Brunner, Baiersdorf

So genannte "Berufsfeuerwehrtage" sind bei Jugendfeuerwehren bundesweit sehr beliebt und inzwischen weit verbreitet. "Wieso sollte man eine solche Aktion nicht auch für die Nachwuchsgewinnung nutzen können?", dachten sich die Verantwortlichen der Freiwilligen Feuerwehr Baiersdorf in Mittelfranken (Kreis Erlangen-Höchstadt/Bayern).

Mit einem einprägsamen Foto, das einen jungen Feuerwehrmann mit einem Kind auf dem Arm und einem Kind an der Hand zeigt, dem dem Logo "FreizeitSchutzEngel gesucht!" auf den Internetseiten der Feuerwehr, dem Mitteilungsblatt der Stadt Baiersdorf sowie mit Berichten in der Tagespresse gelang es, Kinder und Jugendliche neugierig zu machen, die sich über eine eigens eingerichtete Telefon-Hotline zu einem "Schnuppertag" anmelden konnten. In 24 Stunden sollten sie einen Einblick in den Alltag einer Feuerwehr in möglichst vielen Facetten - angefangen von der Ausbildung und dem technischen Dienst, Einsätzen aller Art und natürlich dem Erleben von Gemeinschaft in einer Gruppe Gleichgesinnter - kennenlernen.

 Am Samstag, den 17.März 2007, traten um 7.15 Uhr insgesamt sieben Mädchen und acht Jungen im Alter zwischen zwölf und 15 Jahren ihren "Dienst" im Feuerwehrgerätehaus in Baiersdorf an. Zunächst ging es in die Kleiderkammer. Dort erhielten die Mädchen und Jungen Übungsanzüge der Jugendfeuerwehr.



 Danach erfolgte im Unterrichtsraum des Gerätehauses die Begrüßung durch den Initiator der Aktion sowie den Kommandanten der FF Baiersdorf.  Alle teilnehmenden Jugendlichen erhielten ein T-Shirt mit dem "Freizeit-Schutz-Engel"-Logo. Dann erfolgte die Aufteilung auf die vorgesehenen Fahrzeuge. Damit die Einsatzbereitschaft der Stützpunktwehr zum einen nicht eingeschränkt und die Jugendlichen zum anderen nicht mit zuviel Ausrüstung konfrontiert wurden, griff man auf je ein Löschgruppenfahrzeug LF 8 und LF 8/6 zurück, welche die Ortsteilwehren Igelsdorf und Wellerstadt für diesen Tag zur Verfügung stellten. Ergänzt wurde dieser "Löschzug" je nach Einsatzart durch die Drehleiter (DLK23-12 CS) bzw. durch das Vorausrüstfahrzeug (VRF) der Feuerwehr Baiersdorf. Als Gruppen- und Truppführer fungierten erfahrene Feuerwehrangehörige, die den Teilnehmern auch stets mit Rat und Tat zur Seite standen. Sie übernahmen auch die Einweisung in die jeweiligen Fahrzeuge und deren Beladung.




 Nach einer Brotzeit stand zunächst die Ausbildung zu den Themen "Verhalten an Einsatzstellen" und "Verkehrssicherung" auf der Tagesordnung.  Dann kam auch schon der erste Alarm: Aus einem knietiefen Gewässer mussten mittels Wathosen und Seilsicherung Fässer mit unbekanntem Inhalt geborgen werden.



Nach der Rückkehr ins Gerätehaus war dann "Arbeitsdienst" angesagt: Schlauchpflege für die Besatzung der LF 8 und Fahrzeugpflege für die Besatzung des LF 8/6, während die Drehleiterbesatzung das Mittagessen vorbereiten sollte.



Nach nur kurzer Zeit kam dann aber der nächste Alarm. Diesmal bestand die Aufgabe darin, den Rettungsdienst bei der Rettung einer verunglückten Person zu unterstützen, Ein verletzter Bauarbeiter musste mittels Drehleiter und Schleifkorbtrage vom Flachdach der Stadtsporthalle gerettet werden.



Wie gut, dass im Feuerwehrhaus noch mehr "Engel" - Angehörige der Feuerwehr Baiersdorf - waren, die bis zur Rückkehr der hungrigen "Einsatzkräfte" schon das Mittagessen vorbereitet hatten. Kaum waren die Spaghetti gegessen, hieß es aber erneut: "Alarm".
 


Das VRF und das LF 8/6 wurden zu einem "Fahrzeugbrand" gerufen; diese forderten nach kurzer Zeit auch das LF 8 an, weil auch noch eine "Ölspur" zu beseitigen war.



Kaum ins Feuerwehrhaus zurückgekehrt, wartete schon die obligatorische (Plüsch-) Katze auf dem Baum auf ihre Rettung durch die Drehleiterbesatzung, während die beiden Löschgruppenfahrzeuge zur Beseitigung von Bäumen, die eine Straße versperrten, ausrückten.



Kurz darauf musste eine Person aus dem Europakanal gerettet werden. Zu diesem Einsatz rückte das VRF mit dem Arbeitsboot aus. Wenig später folgten auch die beiden Löschfahrzeuge.



Der Einsatz auf dem Wasser und die Fahrt über den Kanal, der die Donau mit dem Main und dem Rhein verbindet, bereitete den Jugendlichen sichtlich große Freude.

Nach der Rückkehr zum Feuerwehrhaus und einer Kaffeepause war noch einmal Ausbildung - Thema "Aufgaben der Gruppe im Löscheinsatz" - angesagt. Vor dem Abendessen musste die Besatzung des LF 8 dann noch in einem "vollgelaufenen" Keller den Wassersauger zum Einsatz bringen.





Nach dem Abendessen war der aufwändigste Einsatz des Tages zu bewältigen: Aus einem auf dem Dach liegenden Fahrzeug mussten die Insassen gerettet werden, wobei der Beifahrer eingeklemmt war. Das Absichern und Ausleuchten der Einsatzstelle sowie die Betreuung des Verletzten waren die Hauptaufgaben für die Jugendlichen, die aktiven Feuerwehrangehörigen übernahmen das Glasmanagement und den Einsatz der hydraulischen Rettungsgeräte.



Nach der Rückkehr ins Feuerwehrhaus hieß es dann bald darauf "BMA-Alarm im Aldi-Markt", der sich kurz nach dem Eintreffen des Löschzugs als Fehlalarm herausstellte. Dann wurde es ruhiger - wenigstens, was die Einsätze betraf. Bis 23:00 Uhr verbrachten die Jugendlichen gemeinsam die "Freizeit" im Unterrichtsraum. Dann ertönte erneut der Alarmgong. Diesmal musste ein Fußballplatz für die Landung eines Rettungshubschraubers ausgeleuchtet werden.



Nach Beendigung dieses Einsatzes war dann Nachtruhe angesagt, die allerdings nur bis 3.00 Uhr dauerte, als der "Löschzug" zum "Brand eines Gartenhauses" alarmiert wurde, der sich vor Ort als "nicht angemeldetes Lagerfeuer" herausstellte, so dass sich die Jugendlichen bald wieder schlafen legen konnten.



  Zum Frühstück kamen auch die Eltern der Jugendlichen. Mit einer Bilderpräsentation ließ der Initiator der Aktion die 24 Stunden "Feuerwehrdienst" noch einmal Revue passieren. Zum Abschied erhielt jeder Teilnehmer noch eine CD-ROM mit den Fotos vom Schnuppertag, dem Dienstplan der Jugendfeuerwehr sowie einem Aufnahmeformular für die Feuerwehr. Zahlreiche positive Rückmeldungen zeigten in den nächsten Tagen, dass die Aktion sehr gut  bei den Jugendlichen angekommen war.
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